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Usedom: Geschaffen aus Eis und Meer

Die Insel Usedom entstand infolge eiszeitlicher Verschiebungen aus einer Endmoräne. Zwischen den sogenannten Inselkernen lagerte sich Sediment ab, das die heutige Gestalt der Insel formte. Als Inselkerne sind neben weiteren noch immer die Erhebungen Streckelsberg bei Koserow und der Langer Berg bei Bansin erkennbar. In den Tälern haben sich Binnenseen und Moore gebildet, die Zeugnis von der Entstehungsgeschichte geben.

Durch Usedom verläuft ein Teil der deutsch-polnischen Grenze. In Polen unterbricht die Swine das Land zwischen Usedom und der Nachbarinsel Wollin. In nordöstlicher Richtung liegt die Ostsee, während die Peene die Insel in westlicher Richtung von der kontinentalen Landmasse trennt. Südlich befindet sich das Stettiner Haff und in südwestlicher Richtung bildet das Achterwasser – eine Lagune des aus dem Stettiner Haff kommenden Peenestroms – den Uferbereich der zweitgrößten deutschen Insel.

Geschichte

Die 445 km² Usedoms sind schon seit der Mittelsteinzeit von Menschen bewohnt und blieben es seitdem dauerhaft. Die wechselvolle Geschichte der Insel schlägt sie zunächst den Slawen zu. Ab dem 13. Jahrhundert wanderten Deutsche nach Usedom ein und gründen die gleichnamige Stadt. Der Dreißigjährige Krieg war wie andernorts auch hier eine Zäsur: Zusammen mit ganz Vorpommern fiel die Insel Usedom an Schweden. Zahlreiche kriegerische Auseinandersetzungen endeten erst mit dem Zuschlag Usedoms an die Preußen 1713. Dann aber begann die Entwicklung der Insel zum heute so beliebten Ferienort.

Zunächst waren es wirtschaftliche Überlegungen, die zum Ausbau der Swine führten. Eine bessere Schiffbarkeit des Flusses war das Ziel. Schon bald aber konnte die reizvolle Landschaft das Interesse der Erholungsuchenden wecken: Der Badebetrieb nahm 1884 seinen Anfang. Aus dieser und der nachfolgenden Zeit sind bis heute erhaltene herrliche Gebäude zu sehen, die sich besonders in den drei Kaiserbäder n Ahlbeck , Heringsdorf und Bansin finden lassen. Auch die Seebrücken haben in dieser Zeit ihren Ursprung. Im Zuge des rasant zunehmenden Bädertourismus entwickelte sich auch die Infrastruktur Usedoms: Die Bahnlinie wurde gebaut und der Straßenbau vorangetrieben.

Das dunkelste Kapitel

Nach dem Ende des Ersten Weltkriegs veränderte sich Usedom: Hier nahm früher als an anderen Orten der Antisemitismus seinen Anfang. Schon 1928 wurde Juden geraten, die Insel zu meiden. Nach der Machtübernahme Hitlers in den 30er Jahren war es ihnen sogar verboten, Usedom zu besuchen. In Peenemünde entstand bald darauf ein Testgelände, das als Heeresversuchsanstalt Peenemünde in die Geschichtsbücher einging. Der Bau von Raketen mit den Ziel England wurde von hier aus vorangetrieben. Aus heutiger Sicht ergeben sich unterschiedliche Perspektiven auf die Geschichte von damals: Zum einen hat die Heeresversuchsanstalt auf Usedom versucht, erste Massenvernichtungswaffen zu entwickeln, die über lange Distanzen wirksam waren. Der Insel Usedom brachte es ein massives Bombardement durch die Royal Air Force und die United States Army Air Forces ein. Andererseits wird die Forschung in Peenemünde heute als Wiege der Raumfahrt beschrieben. Nach dem Zweiten Weltkrieg konnte Usedom – vielleicht auch wegen Peenemünde – zunächst nicht mehr an seine Erfolge als Seebad anknüpfen. Das gelang erst wieder nach dem Mauerfall, wenngleich zuerst nur zögerlich.

Usedom heute

Die abwechslungsreiche Landschaft aus Sandstränden und Steilküsten am Ostseeufer und die so andersartige Küste in Richtung Peene, Achterwasser und Stettiner Haff sowie die zahlreichen Binnenseen bilden jetzt wieder einen magischen Anziehungspunkt für Reisende. Anders als in anderen touristisch stark erschlossenen Orten dominieren hier keine Hotelhochhäuser, sondern die ursprüngliche Bebauung mit Bäderarchitektur in den Kaiserbädern im Wechsel mit reetgedeckten Häusern im Hinterland oder an der Küste. Für den Verkehr wurden auf Usedom nur wenig Flächen geopfert: Urlaubsgäste und Einheimische nutzen die gut ausgebauten Radwege oder die Usedomer Bäderbahn (UBB), um Staus durch enge Straßen und hohes Verkehrsaufkommen zu vermeiden. Das tut der Insel und der Natur ebenso gut, wie den Erholungsuchenden, die hier die heilsame Wirkung der Aerosole bei Erkrankungen der Atemwege erleben können. Dennoch ist Usedom nicht von der Welt abgeschlossen.

Anreise nach Usedom

  • Auf die Insel gelangen Sie mit dem Auto über die Bundesautobahn A20. Eine Fähre erreichen Sie in Wolgast , wo auch eine Brücke die Peene überquert. Alternativ überqueren Sie den Peenestrom auf der Bundesstraße B110.
  • Die Anreise mit der Bahn endet in Peenemünde, Stralsund oder Swinemünde, von wo aus die Weiterreise mit der Usedomer Bäderbahn (UBB) bis auf die Insel führt. Während der Sommermonate setzt die Bahn AG verschiedene Sonderzüge ein. Zum Beispiel ab Köln.
  • Dank des Flughafens in Heringsdorf ist Usedom gleichfalls auf dem Luftweg erreichbar. Neben innerdeutschen Flügen werden Flugreisen von/nach Warschau, Wien, Zürich und Bern angeboten.
  • Seebäderschiffe verbinden die Seebäbder Usedom untereinander sowie mit Swinemünde und Misdroy in Polen.

Anziehungspunkt für Kunstschaffende und Schatzsucher

Die bezaubernde Landschaft konnte nicht nur den Bädertourismus nach Usedom bringen. Auch zahlreiche namhafte Künstler ließen sich hier nieder oder verbinden entscheidende Abschnitte ihres Lebens mit der Insel: Der Expressionist Lyonel Feininger schuf hier in den ersten Jahren des 20. Jahrhunderts Teile seines Werks. Der Schriftsteller Theodor Fontane verbrachte hier die Sommer seiner Kindheit und ließ seine Impressionen in seine Romane einfließen. Die Gruppe 47 um den in Bansin gebürtigen Schriftsteller Hans Werner Richter nahm hier ihren Anfang. Um sie und weitere Künstler herum entstanden wahre Schätze der Kultur.

Andere Schätze wirft die Ostsee nach schweren Stürmen und aufgewühlter See an den Strand: Bernstein. Der Handel mit dem fossilen Baumharz lässt sich auf Usedom bis in das Mittelalter zurückverfolgen. Noch heute gelten die Ostseeufer als reiche Fundstätten. Wer trotz des gut entwickelten Freizeitangebots aus Wassersport, Radfahren und Entertainment noch Zeit findet, sollte seine Augen offen halten und den Blick über den Strand schweifen lassen: nach seinem ganz persönlichen Stück Erdzeitgeschichte.